Stadtgeschichte

Gründung und Stadtrecht

Lippstadt gilt als älteste "Gründungsstadt" Westfalens. Doch schon vor der eigentlichen Gründung durch Bernhard II. zur Lippe um 1185 bestand hier eine Kaufmannssiedlung um die Nicolaikirche. Deren ältester Teil, der Turm, stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und hatte nachweislich einen um 1177 abgebrannten Vorgänger. Diese Siedlung und eine weitere um den Sitz der lippischen Edelherren wurden erst bei der ersten Erweiterung der schnell wachsenden Stadt im 13. Jahrhundert in die nun vier Stadtteile, "Hofen" genannt, eingegliedert.

Zu den frühesten kirchlichen Einrichtungen gehören auch das um 1185 gegründete Damenstift mit der Kirche (Klein) St. Marien, heute Stiftsruine, und die Marktkirche (Groß) St. Marien, geweiht um 1220 durch Bernhard II. Dieser war erstmals 1211 zu Missionszwecken ins Baltikum gezogen und wurde dort Abt des Klosters Dünamünde und Bischof von Selonien. In seinem Gefolge kamen westfälische Landsleute nach Livland. In den Ratsbüchern von Dorpat, Reval und Riga sind Personen "de Lippia" belegt. Damit gehört Bernhard II. zur Lippe zu den Wegbereitern der Hanse im Ostseeraum und speziell im Baltikum.

Um 1220 datiert auch das älteste Stadtrecht Lippstadts. Seitdem wurden Jahrmärkte abgehalten und etwa seit 1231 Münzen geprägt. 1253 gehörte Lippstadt gemeinsam mit Dortmund, Münster und Soest, ab 1264 auch Osnabrück, dem 'Werner Bund' zum Schutz des regionalen Handels an.

Zwei Stadtherren

Ein wichtiges Charakteristikum der Stadtgeschichte ist die aus der Verpfändung der Stadt durch die lippischen Stadtherren an den Grafen von der Mark hervorgegangene "Samtherrschaft". Von 1445 bis 1851 hatte Lippstadt zwei Stadtherren: die Lipper und die Märker, deren Herrschaft über das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg im 17. Jahrhundert an Brandenburg-Preußen gelangte.

Lange Zeit bestimmten Militär und Garnison das Erscheinungsbild der nach 1666 zur Festung ausgebauten Stadt. Sie erlebte im 17. und 18. Jahrhundert verschiedenste Besatzungen, zuletzt im Siebenjährigen Krieg die Franzosen. Nach Kriegsende wurden die Festungswerke geschleift. Garnisonsstadt aber blieb Lippstadt mit kurzen Unterbrechungen auch weiterhin.

In der Zeit der französischen Herrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Nicolaikirche an die katholische Gemeinde übergeben. Sie hatte nach der bereits 1524 in Lippstadt eingeführten Reformation kein eigenes Gotteshaus gehabt.

19. Jahrhundert bis heute

Bis ins 19. Jahrhundert hatte die Einwohnerzahl etwa 3000 betragen, nicht mehr als in der Blütezeit im 13. Jahrhundert. Erst durch die Industrialisierung wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Stadtgrenzen hinaus. Mehrere große Unternehmen siedelten sich hier an und sind bis heute tätig.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Lippstadt trotz mehrerer für die Rüstung tätiger Betriebe von Bombenangriffen weitgehend verschont. Die Einwohnerzahl stieg im Krieg durch mehrere tausend vorwiegend weibliche Zwangsarbeiter sowie durch Flüchtlinge aus ausgebombten Städten und - nach dem Krieg - aus den Ostgebieten bis auf fast 29.000 im Jahr 1947 an. Durch die Gebietsreform 1975 verlor Lippstadt den Kreissitz an Soest, wurde aber durch zahlreiche Eingemeindungen wesentlich vergrößert. Die Einwohnerzahl liegt heute bei 70.000.

der Festungsgrundriss

Grundrisse der ehemaligen Festung Lippstadt.
Hier können Sie anhand der Pläne - auch im Vergleich zum Grundriss der 80'er Jahre - die Entwicklung der Festung und der historischen Altstadt nachvollziehen.


 
Unter der Rubrik "Neues aus dem Stadtarchiv" wird in unregelmäßigen Abständen Interessantes vorgestellt und berichtet.