"Filigraner Sprachartist" mit Sprengpotential

Österreicher Max Blaeulich erhält 7. Thomas-Valentin-Literaturpreis

Lippstadt. Mit dem Thomas-Valentin-Literaturpreis ist im Rahmen des diesjährigen Lippstädter Wortfestivals Max Blaeulich ausgezeichnet worden. Am Freitagabend nahm der österreichische Autor den mit 5.000 Euro dotierten Preis, den der Rat der Stadt Lippstadt im Jahr 1990 ins Leben gerufen hatte, aus den Händen von Bürgermeister Christof Sommer entgegen.

 

"Der Thomas-Valentin-Literaturpreis macht deutlich, dass sich Lippstadt und seine Bürgerinnen und Bürger über die Bedeutung von Literatur sehr bewusst sind", so Sommer in seiner Begrüßungsrede. Der Rat der Stadt Lippstadt habe die Entscheidung, einen solchen Preis zu vergeben, daher auch ganz deutlich vor dem Hintergrund getroffen, die Bedeutung von Sprache und Literatur in dieser Zeit und in dieser Stadt hervorzuheben.

 

Die Jury, die in diesem Jahr aus dem Paderborner Literaturwissenschaftler Professor Dr. Norbert Eke, dem Lippstädter Autor und Mitbegründer der Thomas-Valentin-Gesellschaft, Wilhelm Kröger und dem künstlerischen Leiter des Wortfestivals, Alfred Kornemann bestand, hatte Blaeulich und seinen Roman "Unbarmherziges Glück" ausgewählt, da er "herausragte aus der Reihe durchaus qualitätsvoller eingereichter Prosawerke".

 

In seiner Laudatio beschrieb Norbert Eke den Autor, bildenden Künstler, Antiquar und Herausgeber als einen Grenzgänger zwischen den Medien und würdigte ihn als einen "filigranen Sprachartisten". Wie zutreffend diese Beschreibung war, zeigte sich spätestens, als Max Blaeulich aus "Unbarmherziges Glück" vortrug, seinem im Jahr 2014 erschienenen Roman, der mit seiner Protagonistin, der im Altenheim lebenden und an Demenz erkrankten Putzfrau Berta, in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eintaucht und ein Leben voll von Armut, Krankheit und Gewalt nachzeichnet.

 

"Blaeulichs Prosa ist schonungslos", konstatierte Norbert Eke. Mit dem souveränen Wechsel zwischen Tragischem und Groteskem in seinem Werk provoziert Blaeulich geradezu eine bestimmte Reaktion bei seinen Lesern. "Er will, dass dem Leser das Lachen im Halse stecken bleibt", so Eke.

 

Bereits in seiner Begrüßung hatte Bürgermeister Christof Sommer darauf verwiesen, dass Max Blaeulich mit seinem Werk den Lesern "etwas zumutet" und dazu aus einem Text zitiert, den der Lektor Dr. Günther Eisenhuber über Blaeulich verfasst hat. Hier heißt es unter anderem: "Die Literatur von Max Blaeulich ist keine Tagesdecke und kein dekoratives Element einer Wohnlandschaft. Sie ist im Gegenteil eine Sprengladung und Max Blaeulich selbst ist der Sprengmeister".

 

Max Blaeulich, in seinem Auftreten alles andere als explosiv wirkend, zeigte sich über die Auszeichnung durch die Stadt Lippstadt ehrlich erfreut und drückte seine Verbundenheit zu Thomas Valentin ("Er ist mir in seiner Poesie sehr nah") mit einer persönlichen Geschichte aus der Kindheit aus, an die er sich durch Valentins "Stilleben mit Schlangen" erinnert fühlte. Sein Vortrag berührte die Zuhörer - bis zum Schlussapplaus folgten die Zuhörer gebannt den Worten eines echten "Sprachartisten".